Wahlkampfauftakt: Cem Özdemir und Anna Wiech in Weingarten

Eine volle Halle, ein bestens aufgelegter künftiger Ministerpräsident von Baden-Württemberg: Für Anna Wiech (Slogan: „eine wie ich“) hätte der große Wahlkampfauftakt am 17. Januar nicht besser laufen können. Anna, die von ihrem Kreisverband ohne Gegenkandidat*in nominiert wurde, um in der Nachfolge von Manne Lucha das Direktmandat bei der Wahl am 8. März für den baden-württembergischen Landtag zu holen, hatte im Kultur- und Kongresszentrum in Weingarten noch keinen halben Satz gesagt, da jubelte ihr die Halle bereits zu. Auf Social Media hatte Anna zu dem Abend eingeladen, sie sei „die Vorband für Cem“. 

Tatsächlich war sie viel mehr. Immer wieder durch langanhaltenden Applaus unterbrochen, berichtete Anna kurz und knapp, anschaulich und authentisch von ihrem Weg in die Politik. Gesamtelternbeiratsvorsitzende der Ravensburger Kitas war sie schon als junge Mutter. Seither engagiert sich die 48-jährige ehrenamtlich und politisch. Sie ist Fraktionsvorsitzende im Ravensburger Gemeinderat, sozialpolitische Sprecherin ihrer Fraktion im Ravensburger Kreistag, Aufsichtsrätin der Oberschwaben-Klinik. Zudem arbeitet sie seit zwei Legislaturperioden, also seit zehn Jahren, im Wahlkreisbüro von Manne Lucha. Wie er das Direktmandat für den Einzug in den Landtag zu holen, das benannte sie unter großem Beifall klar als ihr Ziel. Als beide sich zum Publikum umdrehten, galt der lange Applaus auch Manne Lucha für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Region.

„Ich war gespannt, wer in Luchas Fußstapfen treten will“, sagte eine Besucherin, „jetzt habe ich sie selbst erlebt und glaube, dass sie es schafft.“ Das Anna es kann – davon konnte sie an diesem Abend viele Interessierte überzeugen, weit über die grüne Bubble hinaus. Dass Cem es kann – hinter ihm konnte man auf bühnenfüllenden Holzbuchstaben lesen: „Der kann es“ – davon überzeugte auch er auf sympathische Weise. Kleinliches Rumhacken auf dem politischen Gegner? Fehlanzeige. Die Schuld für alle Probleme stets bei anderen suchen? Nicht mit Cem. Er brachte an diesem Abend in Weingarten einen ganz neuen, lange nicht gehörten Ton in die politische Auseinandersetzung. Ehrlich. Selbstkritisch. Konstruktiv. „Nicht das Parteibuch soll entscheiden, sondern wer die besten Ideen für Baden-Württemberg hat“. Keine großen und schon gar keine leeren Versprechungen vor der Wahl.

Immer wieder griff Cem die programmatischen Aussagen von Anna Wiech auf. Anna will im Landtag für Bildung kämpfen, für Teilhabe für jedes Kind ab der Kita. Sie will sich einsetzen für queeres Leben auch in Oberschwaben, für Menschen mit Behinderung – für beides bekam sie großen Beifall. Cem Özdemir ging dabei auf seine eigene Bildungsgeschichte ein. Er habe, nicht zu Unrecht, bis zur 4. Klasse eine Fünf in Deutsch gehabt. Aber er habe Menschen gefunden, die an ihn geglaubt hätten und ihm eine Chance geben wollten. Das habe ihn gelehrt, gerade denen zuzuhören, die keine laute Lobby-Gruppe haben. Den kleinen Mittelständlern etwa, die gegen Überregulierung und für mehr Freiräume kämpfen. Bei denen ist er genauso unterwegs wie Anna Wiech, die schon seit mehreren Wochen unzählige Termine absolviert, mit Unternehmer*Innen, Lehrer*innen, Bürgermeistern, Studierenden. Und natürlich mit Menschen aus Sozial- und Gesundheitsberufen. Zu den Leuten hingehen, mit ihnen reden, ihnen zuhören, gemeinsam mit ihnen und mit einem klaren, eigenen Kompass Lösungen entwickeln – so macht Anna Wiech Politik in der Region, so will sie Politik als Landtagsabgeordnete machen.