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S21: Tricksen und Täuschen
Wie die Frankfurter Rundschau am 19.8.2010 berichtet, liegt ihr ein für Konzernchef Grube geschriebenes, bahninternes Papier vom Dezember 2009 vor, in dem die Kosten einer Modernisierung des bestehenden Kopfbahnhofs auf bloße 340 Mio. Euro beziffert würden - nicht einmal ein Zwanzigstel der derzeitigen Kostenschätzungen für Stuttgart 21. Die bahnintern bereits für Stuttgart 21 entstandenen Kosten wurden laut FR zu diesem Zeitpunkt mit gerade mal 73 Mio. Euro angesetzt - der Bahn würden dann aber die für S21 versprochenen Steuermilliarden entgehen. Daher habe Grube S21 "trotz Bauchschmerzen durchgewinkt".
Natürlich gab es von Seiten der S21-Befürworter bereits lautstarke Dementis - jedoch keine belastbaren Zahlen. S21-Projektsprecher Wolfgang Drexler spricht gern von 1,4 Mio. Ausstiegskosten, eine Berechnung, die bei näherem Hinsehen nicht gerade für die Rechenkünste ihres Verbreiters spricht. Mehr als die Hälfte davon macht etwa die Rückabwicklung des Kaufs von Grundstücken, die erst durch den Abbau der oberirdischen Gleisanlagen frei werden sollen, durch die Stadt Stuttgart aus, zuzüglich der Zinsen seit der Überweisung an die Bahn. Der renommierte VCD hat diese Berechnung schon Ende Juli auseinander genommen - und kommt zu ganz anderen Schlüssen.
Daher fordert die Grüne Landtagsfraktion, nun endlich alle Zahlen und Vertragsbedingungen offen zu legen, damit der Souverän - das Volk - endlich erfährt, was die Volksvertreter von CDU, FDP und SPD da eigentlich für unwiderrufbar zu halten scheinen. Ähnlich hatte sich schon zuvor der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Winne Hermann, geäußert.
Weit bedeutender aber als das Geheimdossier der DB ist ein anderer, längst von mehreren Seiten bestätigter Absatz des FR-Artikels: "In Wirklichkeit ist Stuttgart einer der leistungsfähigsten deutschen Bahnknoten. Engpässe sind bis 2025 kaum zu befürchten. Das belegt unter anderem eine Studie der Gutachter K+P für die IHK Stuttgart. Das Netz am Neckar kann demnach das erhoffte Wachstum im Schienenverkehr ohne S 21 locker verkraften. Andernorts, etwa im Rheintal, drohen dagegen schlimme Engpässe im Güterverkehr. Genau dort aber fehlt wegen S 21 künftig das Geld für den Ausbau. "
Kein Wunder, dass mittlerweile auch Frei Otto, einer der beiden Architekten des neuen Durchgangsbahnhofs, Zweifel an der eigenen, nun bereits 13 Jahre zurück liegenden Planung bekommt.
- Links:
- FR online: Tricksen und täuschen (19.8.2010)
- Stuttgarter Zeitung; Mitschöpfer des Bahnhofs zweifelt (19.8.2010)
- SWR.de: Grüne wollen Einsicht in Zahlen zu Stuttgart 21 (19.8.2010)
- SPIEGEL: Zoll entdeckt Schwarzarbeiter auf Baustelle (17.8.2010)
- FR online: Bahn ohne Kontrolle (17.8.2010)
- FR online: Teures Luftschloss (Leitartikel vom 17.8.2010)
- Stuttgarter Zeitung: Themenseite Stuttgart 21








