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Hamburg: 6-jährige Primarschule gescheitert
Andere Teile der Schulreform werden umgesetzt
Bei einer niedrigen Wahlbeteiligung von 39,3 % haben 58% der stimmabgebenden Hamburgerinnen und Hamburger die im Rahmen der schwarz-grünen Schulreform geplante sechsjährige Primarschule abgelehnt. Dabei bleibt es bei der vierjährigen Grundschule, nach der ein Wechsel auf ein traditionelles Gymnasium möglich ist.
Unberührt vom Referendum ist aber die Stadtteilschule, die außer dem Gymnasium alle anderen weiterführenden Schulformen ersetzt, längeres gemeinsames Lernen ermöglicht und Schülerinnen und Schüler wie das Gymnasium auch bis zum Abitur führen kann. Gleichzeitig sollen die Klassenteiler verringert, zusätzliche Lehrer eingestellt und die individuelle Föderung der Schülerinnen und Schüler verbessert werden.
Der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, sagte zum Ergebnis des Bürgerentscheids: "Die Reformgegner haben es geschafft, dass große Teile des Bürgertums mit akademischem Hintergrund per Briefwahl gegen die Primarschule abgestimmt haben. Uns ist es leider nicht gelungen, entsprechend zu mobilisieren, gerade in sozial schwächeren Stadtteilen."
Dies wird auch durch die Analyse der ZEIT bestätigt: In wohlhabenden Stadtteilen war die Wahlbeteiligung überdurchschnittlich hoch, in sozial schwächeren zum Teil extrem niedrig.
Im Ergebnis wird dies wohl dazu führen, dass das Gymnasium auch in Hamburg eine "Sonderschule" für die Wohlhabenden bleibt, die meist schon selbst akademische Bildung mitbringen und die Begabungen ihrer Kinder vor allem durch die Finanzierung privater Nachhilfe verstärken, während für alle anderen Schülerinnen und Schüler nun das längere gemeinsame Lernen bis zum Abitur mit hoher individueller Förderung ermöglicht wird.
Anzumerken bleibt auch, dass Rot-Grün in NRW schon vor dem Referendum entschieden hat, bei der Schulreform einen anderen Weg zu gehen als Schwarz-Grün in Hamburg, indem den Kommunen mehr individueller Entscheidungsspielraum zugestanden wird und so größere Vielfalt bei den Schulformen entstehen darf.
Auch Baden-Württemberg täte mehr Offenheit in dieser Hinsicht gut - denn scheinbar gute Leistungsergebnisse im Bundesvergleich können nicht darüber hinweg täuschen, dass auch wir hier im Ländle im internationalen Vergleich hinterher hinken und dass gerade bei uns vor allem die Herkunft und der Beruf der Eltern über die Bildungschancen der Kinder entscheiden; die individuellen Fähigkeiten und Begabungen dagegen spielen nur eine untergeordnete Rolle.








